Speer-Tochter würdigt jüdische Pädagogin

Die Schriftstellerin Hilde Schramm, Tochter des ehemaligen Reichsrüstungsministers Albert Speer, berichtete Zuhörern im Cultimo von deutscher Zeitgeschichte. Schramm stellte ihr Buch „Meine Lehrerin Dr. Dora Lux (1882-1959)“ vor. Sie erzählte vom Leben der jüdischen Lehrerin, die in der Zeit des Nationalsozialismus Berufsverbot erhielt und Widerstand leistete.
Kuhstedtermoor. Still war es im Kulturzentrum Cultimo. Mehr als 50 Gäste hingen förmlich an den Lippen von Hilde Schramm, die aus ihrem Buch „Meine Lehrerin Dr. Dora Lux“ vortrug. Die Erziehungswissenschaftlerin und ehemalige Vizepräsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses berichtete von ihrem Leben und dem von Dora Lux, einer jüdischen Lehrerin, die sich trotz Berufsverbots zur Zeit des Nationalsozialismus nicht verbiegen ließ.

Nur eineinhalb Jahre war Dora Lux die Geschichtslehrerin von Schramm, dennoch blieb sie der Schriftstellerin in Erinnerung. Hilde Schramm war Ende 1945 neun Jahre alt – eine Verbindung zum Nationalsozialismus bestand trotz des jungen Alters: Ihr Vater, Albert Speer, war Hitlers Architekt und Reichsrüstungsminister. Er wurde bei den Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozessen zu 20 Jahren Haft verurteilt.

Die Organisatorin der Lesung, Brigitte Borchers, erinnerte vorab an die Geschichte des Cultimo: „Vor sechs Jahren wurde dieses Anwesen auf Initiative vieler Menschen gekauft, weil es drohte den Nazis in die Hände zu fallen. Die rechte Szene hatte ein Gebot abgegeben. Viele Leute steckten hohe Beträge in dieses Projekt, der Kulturverein betreibt heute dieses Haus. Das ist eine Geschichte auf die wir eigentlich ziemlich stolz sind“, erläuterte Borchers. Das Publikum applaudierte.

Der Kulturverein habe sich verpflichtet, zweimal im Jahr zum Jahrestag der Pogromnacht und zum Holocaust-Gedenktag eine Veranstaltung zum Thema zu realisieren: „Heute sind wir sehr froh, dass Hilde Schramm zu uns gekommen ist.“

Dora Lux war bereits weit jenseits des Pensionsalters, als sie Hilde Schramm im Fach Geschichte unterrichtete. Das Unterrichten habe sie sehr angestrengt, erinnerte sich Schramm. „Sie war eine alte Frau. Damals dachte ich, die ist 80, aber sie war erst 72 Jahre alt.“ Lux sei Jüdin der Herkunft nach und evangelisch getauft gewesen. Sie habe sich selbst nicht als Jüdin verstanden, sagte Schramm. „Für mich aber war sie die erste Jüdin die ich bewusst wahrnahm.“ Sie hätte gern erfahren, wie Dora Lux die Zeit des NS-Wahns überlebt hat, so die Autorin – aber sie habe nicht gewagt, zu fragen. Und Lux selbst habe über die Zeit nicht berichtet.

Viele Erinnerungen

Während sie an andere Lehrkrägte keine Erinnerungen habe, seien es bei Dora Lux „merkwürdig viele“, betonte Schramm. Diese Erinnerungen „wurden dann zum Ausgangspunkt meines Buches nach über 50 Jahren“. Schramm durchstöberte Archive und befragte Familienangehörige und Schüler. Die Zuhörer erfuhren von der Kindheit Luxs, die damals Biber hieß. Ihr Vater sei eine schillernde Persönlichkeit gewesen, erzählte Schramm. Er habe seinen Töchtern erlaubt, das Abitur zu machen. Für Dora habe gleich festgestanden, dass sich das Staatsexamen anschließen soll.

 

„Dora Lux war oft eine Ausnahme, sie gehörte immer zur Minderheit.“ Mit 33 Jahren heiratete sie Dr. Heinrich Lux. „Heinrich Lux war Physiker, Redakteur, Patentanwalt, Freimaurer und vieles mehr, eine sehr interessante Figur.“ Nachdem Als Lux 1933 aus dem Schuldienst entlassen worden war, habe sie regimekritische Artikel veröffentlicht, die Pressefreiheit, Bürgerrechte und die Selbstbestimmung der Frau verteidigt, sagte Schramm. „Sie verstieß gegen Gesetze. Das veränderte mein Bild von ihr. Eine Frau die in die Öffentlichkeit tritt, wenn andere verstummen.“ Aus Selbstachtung habe Lux den Kennkartenzwang verweigert und falsche Angaben zu ihrer Abstammung gemacht.

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