Heini Holtenbeen und der Riese Hüklüth

Premiere im Cultimo: Eva Spilker vom Regenbogen-Puppentheater in Ottersberg begeistert die Gäste
Kuhstedtermoor. Vom Puppentheater lassen sich auch Erwachsene begeistern – das zeigte sich beim Gastspiel der Puppenspielerin Eva Spilker vom Regenbogen-Puppentheater in Ottersberg am Sonnabendabend eindrucksvoll im Cultimo in Kuhstedtermoor. Zwar stimmten die rund 70 Zuschauer keine Anfeuerungsrufe an, wie man sie mit dem Kasperletheater verbindet; das Publikum spendete dafür einen extralangen Schlussapplaus: Die Bremer Originale “Heini Holtenbeen” und “Fisch-Lucie” hatten mir ihren Geschichten aus dem Schnoor neue Fans gefunden.

Die Begeisterung für die Puppen überraschte kaum, hauchte Spilker ihnen doch ein Leben ein, als wäre man selbst mittendrin in den Geschichten. Da tippelte Heini Holtenbeen beispielsweise mit seinem Gehstock auf dem Boden herum, als er von seiner Schmach beim Restaurantbesuch berichtete, seine Aufregung war spürbar. Brigitte Borchers kennt Spilker seit Jahren: “Ich bin ein großer Fan und freue mich total”, erzählte die Besucherin dieser gelungenen Premiere für Puppentheater im Cultimo. Der Veranstalter war ebenso angetan – auch über den Zuspruch: “So ein Erfolg heute Abend, das freut uns sehr. Wir sind sowieso stolz auf unser Programm und haben viele Highlights in diesem Quartal.” Mit einem Besen in der Hand betrat Eva Spilker das Cultimo und fegte zwischen den Beinen des Publikums. Schließlich sei das hier der Schnoor, die gute Stube Bremens. Spilker berichtete von der Gründung Bremens und wartete auf ihren Onkel Heini, der bestimmt an der Börse sei. Spilker: “Da sammelt er immer die Zigarrenstummel auf.” Mit Heini Holtenbeen betrat auch Fisch-Lucie die Bühne. Beide erzählten Anekdoten und Legenden zuhauf aus Bremen und umzu. Spilker spielte offen, versteckte sich nicht.

Lucie, die marktbeherrschende Fischfrau, hat laut Spilker 17 Kinder und bot auch im Cultimo lautstark ihre Ware feil: “Aale, Brassen, Stinte!” Für nörgelnde Kunden hatte sie kein Verständnis: “Eine hat mal behauptet, mein Fisch rieche. Dabei hatte ich ihr den schon eine Woche vorher angeboten, aber da wollte sie ihn ja nicht.” Im Gegensatz zu Lucie hat Heini keine Kinder: “Für meine Kinder ist das ganz gut, dass ich keine habe.” Ebenfalls auf dem Marktplatz trieb sich Frieda herum, bot feuchten Torf aus Hellwege an: “Trockener Torf aus dem Teufelsmoor!” Das Publikum erfuhr einiges aus dem damaligen Leben: So erzählte Lucie der Frieda, dass die Leute aus Schwachhausen baden, diese feinen Pinkel. Die aus dem Schnoor gingen in die Weser. Heini wäre beinahe Millionär geworden: “Ich hatte Karten für eine Überfahrt nach Amerika.” Frieda hatte gerade in der Schule die Geschichte von Gräfin Emma und der Bürgerweide durchgenommen und berichtete. Heini war erstaunt: “Das haben wir nicht gelernt in der Schule. Nicht in dem Jahr, wo ich da war.” Das Publikum bekam diese Geschichte sogar vorgespielt, Gräfin Emma aus Vegesack und ihr Erbe Benno von Sachsen kamen wiehernd auf die Bühne geritten.

Eine Zuschauerin wusste, dass es nicht Vegesack, sondern Lesum heißen müsste und merkte später an: “Das macht Spaß, wenn man etwas wiedererkennt. Ich finde es einfach klasse hier, sie spielt das so toll.” Spilker weiß, wie man die Aufmerksamkeit wach hält. Der Zuschauerin nicht bekannt war die Sage um den Riesen Hüklüth. Diese erzählte Lucie Frieda: “Aber nur wenn du nicht plärrst.” Die Geschichte, wie Spilker sie schildert, ist nämlich grausam. Der Riese Hüklüth schaut öfters im Moor vorbei, frisst Ziegen und Menschen und zerstört die Häuser. Dieterich gelingt es mit einer List den bösen Riesen zu bremsen. Er schmeichelt ihm: “Du hast ein waches Auge, ein angenehm geschnittenes Gesicht, ich find dich cool.” Hüklüth antwortet: “Du bist der Erste der das sagt, jetzt kann ich gar nicht mehr in dich reinbeißen.” Es entsteht eine Freundschaft, Sandwege wollen sie gemeinsam bauen. Der Riese rutscht dabei ins Moor und ertrinkt, aus dem Sand wird der Weyerberg.

Zuschauer Bernd Salewski wusste das bereits, kannte auch die Bremer Originale und war trotzdem wieder begeistert vom Spiel. Genau wie Armin Süßenbach: “Es war sehr schön, die Stunde war wie nix rum. So etwas kann es öfter geben.” “Exzellent dargestellt, das war ja fast wie das Ohnsorg-Theater. Sie macht das richtig gut”, kommentierte Ute Süßenbach die Aufführung. Beide kommen aus dem Odenwald und waren zu Besuch in Kuhstedtermoor. Und weil es Puppentheater nicht so oft zu erleben gebe, hätte sie Spilkers Gastspiel ins Cultimo gelockt, so das Ehepaar.

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