Tipps für den Erstgänger

Satirisch-ironische Weihnachtslesung: “Das Fest in gelaufen, die Party ist alle”
Kuhstedtermoor. “Wahnsinn, das ist so schön.” Walter Peets, der Musikus unter den “Eiligen Drei Königen”, war begeistert vom Publikum. Der Weltenbummler hatte seinen Song “Das Fest ist gelaufen, die Party ist alle” mit einfachen Harmonien auf der Gitarre gespielt und die Gäste waren seiner Aufforderung zum Mitmachen prompt nachgekommen. Mit Peetz waren Marcus Rudolph und Jens Böttger zu Gast im “Cultimo” – mit satirisch-ironischen Anmerkungen zum Weihnachtsfest.Ihre zweistündige Lesung bezeichneten die Protagonisten als “öffentliches Saufen mit Betonung”. Höhepunkte waren die weihnachtlichen Satirewerke aus der Feder von Robert Gernhardt – beispielsweise die Hinweise für Gottesdienst-Erstgänger, um am Heiligen Abend nicht unangenehm aufzufallen. Böttger, im wahren Leben Redakteur bei Radio Bremen, wies die “Seltengänger” darauf hin, dass weder das Licht gelöscht, noch Werbung eingeblendet wird. “Bei der Aufforderung zum Gebet sind die Hände so zu falten, als wolle man einen Wellensittich erwürgen”, so Böttger. Zwischenrufe bei der Predigt wie “bravo, weiter so” oder “hört, hört” seien tabu. Rudolph hält nichts von “weihnachtlichem Lügenzuckerguss”. Der Schauspieler und Radio Bremen-Moderator: “Wir freuen uns nicht, das ist Arbeit.” Das Publikum instruierte er gleich zu Beginn: “Wir arbeiten hart, spenden Sie ausreichend Beifall. Aber auch nur an der richtigen Stelle.”

Kein Geschenk von Mama und Papa Lass den reden, werden sich die Angesprochenen gedacht haben – Beifall und lautes Lachen unterbrachen die Lesung immer wieder. Beim “Geschenkestillstandsabkommen” von Osman Engin gibt es beim einem Paar Tränen unterm Weihnachtsbaum – trotz der Ansage “Wir beide sind uns doch Geschenk genug”.

Bei der Geschichte “Das Zweitkind” schlüpfte Rudolph in die Rolle des Jungen Torben, der nun einen Bruder hat und zum Fest mit zitternden Lippen feststellt, dass alle Wünsche erfüllt worden sind. Vom Weihnachtsmann – kein Geschenk kam von Mama und Papa. Torben: “Die hätten sich nicht so über meinen Bruder gefreut, wenn ich ihnen gereicht hätte.” Bei “Neues aus Stenkelfeld” bekamen es die Gäste mit übermäßiger Weihnachtsbeleuchtung und nadelnden Tannenbäumen zu tun.

Weihnachten ist auch ein Fest der Hoffnung, betonte Rudolph – klar, ironisch: “Der Hoffnung, dass es vorüber geht.” Derbe Sprüche und Lieder folgten. Peetz sang das Weihnachtslied “Chemisch gereinigt” von Erich Kästner, und in “Die Geburt” von Robert Gernhardt ging es darum, wie der Teufel auf die Welt kam. Ähnlichkeiten mit dem Heiligen Abend seien rein zufällig, erfuhren die Zuhörer.

Von Loriot gab es eine Geschichte über Mord und einen zerteilten Förster. Das war dann doch etwas zu heftig für manche Gäste. Wie zum Beispiel für Edith Gehlken: “Leichen brauche ich nicht, ich habe immer schnell Bilder im Kopf.”

Der Musiker Walter Peetz hatte nach jeder Geschichte passende Musik parat, meistens spielte er auf einer Konzertina. Rudolph und Böttger entdeckten Peetz in der Böttcherstraße – sagte Peetz.

Rudolph und Böttger erzählten etwas anderes. Danach enttäuschte Peetz als ICE-Klimagerätebeauftragter, griechischer Finanzminister und Chauffeur von Kachelmann. “Jetzt reicht’s, haltet doch einfach mal die Klappe”, beendete Peetz die Spekulationen und den Abend im Cultimo.

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