Schock für die Männerwelt: der Primelclub

Dr. Erika Fischer gründete vor 50 Jahren mit 15 Gleichgesinnten den ersten Frauenklub in Axstedt / Jubiläumsfeier
Axstedt. Der Primelclub Axstedt hatte am Wochenende Grund zum Feiern: Vor 50 Jahren wurde er aus der Taufe gehoben. In die Feierlichkeiten startete der Frauenclub mit einem Gottesdienst mit Pastorin Rita Meyer im Gemeindehaus, abgeschlossen wurde der runde Geburtstag mit einem Flötenkonzert der Gruppe Sonatina und leckeren Cocktails. Dazwischen lagen jede Menge Erinnerungen, ein Sektempfang, Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen. Die Feier war zugleich die letzte Amtshandlung der scheidenden Vorsitzenden Ute Schipke, die sich bewusst gegen einen Kommers entschieden hatte: “Das hatten wir alles vor zehn Jahren, als wir unseren 40. feierten. Heute sollte das Feiern im Mittelpunkt stehen, ohne dass große Reden geschwungen werden.” Geredet wurde trotzdem jede Menge, Anlass dafür gaben die vielen Fotos aus der Klubgeschichte, die ausgelegt und von den Gästen heftig umlagert waren.

Mit Anna-Luise Berghorn und Waltraud Bullwinkel waren sogar noch zwei Gründungsmitglieder vor Ort. Beide erinnern sich gern zurück an das Gründungsjahr 1961. Berghorn: “Die Frau Doktor Fischer wollte damals Kultur ins Dorf bringen. Viel wurde uns ja nicht geboten, da war das schon eine Abwechslung. Es wurde eine Kulturwoche eingeführt, wir hatten hier viele Dozenten und berühmte Leute, die wir vorher nicht kannten. Die Frau Doktor lebte ja in einer anderen Welt.”

Insgesamt 16 Frauen trafen sich zur Gründungsfeier im Gasthaus Korff, Dr. Erika Fischer wählte man zur Vorsitzenden. “Fünf der Gründungsmitglieder leben heute noch”, stellte Waltraud Bullwinkel fest, die selbst einmal für kurze Zeit die Klubkasse führte. Klubname war damals “Frauenvereinigung unser schönes Dorf Axstedt”. Das blieb nicht lange so. Berghorn: “Die Männerwelt war natürlich schockiert über den ersten Frauenklub. Der alte Tunnat meinte damals ‚das wird so ein richtiger Primelklub‘ und wurde damit praktisch Namensgeber.” Der alte Tunnat war Horst Tunnat, der als “Patenonkel” zum 25. Geburtstag einen Primelpott bekam. Vorsitzende war da schon Annegrete Vollmers, die insgesamt über 30 Jahre den Primelclub leitete. Berghorn: “Annegrete ist viel mehr auf unsere Wünsche eingegangen, die war ja auch aus dem Dorf. Wir haben viele Radtouren gemacht, ganz toll.” An viele Ausflugsfahrten erinnert sich auch Ilse Puckhaber, fast 50 Jahre Klubmitglied, insbesondere an die nach Werningerode: “Gleich nach der Wende sind wir da mit dem Bus hingefahren. Die Fahrt bleibt mir immer im Gedächtnis, die habe ich mit organisiert. Das war so warm und der Bus hatte keine Klimaanlage. Wir waren alle durchgeschwitzt.” Puckhaber denkt auch gern an den Gewinn des zweiten Platzes bei “Unser Dorf soll schöner werden” zurück. Puckhaber: “Wir haben viele Ideen umgesetzt und hatten zu Anfang allerhand zu tun. Es war immer schön.” Noch heute bepflanzen die Primeln öffentliche Beete und verschönern das Dorf, die Hauptaufgabe blieb.

Nicht vergessen haben die Primeln ihre Männer, es gab jede Menge Lob für deren Unterstützung. Wenn die Arbeiten körperlich schwieriger waren, waren die Männer immer schnell dabei. Malies Gehs: “Die Männer bewegen auch viel, aber was wir selber machen können, das machen wir selber.” An die vielen Erinnerungen hat Anna-Luise Berghorn den größten Anteil. Sie suchte Bilder zusammen und fotografierte selbst jede Menge. Bullwinkel: “Anna-Luise ist durch das Dorf gerannt, hat sich unheimlich reingekniet.” Einen weiteren Einblick in die Primelgeschichte gab es während des Gottesdienstes. Die Frauen führten einige Sketche auf. Gehs und Vollmers beispielsweise stellten zwei Männer dar, die sich über die Vereinsgründung unterhalten und über das, was sich die Damenwelt da zurechtprimele. Weitere Szenen berichteten von der legendären Fahrt nach Hamburg und anderen Errungenschaften des Vereins. Musikalische Einlagen gab es vom Axstedter Frauenchor, den Sektempfang dagegen untermalte der Bramstedter Posaunenchor mit sieben Bläsern und flotter Musik.

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