Darum bleiben Hambergens Straßen nachts unbeleuchtet

Bürgermeister Reinhard Kock nimmt Stellung zur Abschaltung der Laternen: Viele kleine Schritte ergeben einen großen Schritt
Hambergen. Die Straßen Hambergens liegen im Sommer im Dunkeln, der Rat der Gemeinde hat mit wenigen Ausnahmen beschlossen, die Straßenbeleuchtung für zwölf Wochen auszuschalten. Darüber hatte sich nicht nur Michaela Nolte geärgert. Sie sammelte Unterschriften und erreichte 557 Bürger, die Licht in den Straßen fordern. Sie meinen, es würde am falschen Ende gespart.

Hambergens Bürgermeister Reinhard Kock findet die Aktion gut, hat sich die Vorschläge von Michaela Nolte notiert und nimmt noch einmal Stellung, warum Hambergen im Sommer im Dunkeln liegt. Die schwierige Haushaltslage der Gemeinde bildet das Hauptargument. Ein Minus von 379000 Euro war im Jahre 2009 vorgesehen, ein Jahr später fehlten 223000 Euro. Das relativierte sich ein wenig, allerdings verbleibt zusammen ein Fehlbetrag von einer halben Million Euro. Kock: “Wir haben alle im Rat überlegt, wo wir noch sparen können oder ob es weitere Einnahmequellen gibt.” Mit gutem Beispiel gingen die Ratsmitglieder voran und kürzten ihre Aufwandsentschädigung um zehn Prozent. “Wir senkten auch die Vereinsförderung um zehn Prozent. Das tut schon weh, denn ehrenamtliche Arbeit ist uns sehr wichtig”, führte Kock aus.

Ein weiterer Punkt auf der Liste war die Beleuchtung im Sommer abzuschalten. Klaus Irmscher, Mitarbeiter und Energieberater im Rathaus, errechnete eine Ersparnis von 1500 bis 1700 Euro. Kock: “Das haben wir auch durchgeführt und im ersten Jahr keine große Resonanz erfahren.” Folgerichtig endeten die Beratungen für dieses Jahr mit dem gleichen Ergebnis, der Abschaltung. Mittlerweile sind auch die ersten Abrechnungen eingetroffen, die die Erwartungen deutlich übertreffen. Der Bürgermeister: “Wir sparen jährlich 3500 Euro oder umgerechnet 19000 Kilowattstunden ein. Das sind zwar immer noch keine großen Beträge, aber viele kleine Schritte ergeben einen großen Schritt.” Bei steigenden Energiepreisen würde auch die Ersparnis weiter steigen.

Kock möchte diese Zahlen allerdings auf keinen Fall für eine erneute Abschaltung im nächsten Jahr gewertet wissen. Im Gegenteil. Kock möchte im Herbst zu einem Bürgergespräch einladen um die Bürger mitzunehmen und im nächsten Jahr die Abschaltung erneut im Rat beraten. Man müsse allerdings auch die Energiewende 2030 im Auge behalten und 19000 Kilowattstunden seien nicht wenig. Ebenfalls beschäftigen wird sich die Gemeinde mit der Anschaffung von Rundsteuergeräten. Diese sind nötig um wie gefordert die Lampen zumindest bis Mitternacht brennen zu lassen und andere Schaltzeiten einzurichten. Derzeit schaltet Hambergen das Jahr über mit Einbrechen der Dunkelheit die Straßenbeleuchtung an und um ein Uhr wieder aus.

In Wallhöfen gehen die Lichter genauso um Mitternacht aus wie in der Gemeinde Lübberstedt. Deren Bürgermeister Dieter Langmaack: “Die zeitweise Abschaltung im letzten Jahr hat bei uns nicht viel gebracht, vielleicht 300 Euro. Der Widerspruch in der Bevölkerung war dagegen groß, nun brennen die Lampen in Lübberstedt wieder das ganze Jahr über.” Kock hat zuletzt nach der Unterschriftenaktion von Michaela Nolte mehrere Bürger gefragt und ebenso überwiegend Ablehnung gegenüber der Abschaltung erfahren. Bei einer zweiten Frage, wo man ansonsten sparen können, erntete er Schulterzucken und häufig die Antwort: “Am besten gar nicht.” Das gehe natürlich nicht. Kock führt an: “Wir sind dem Landkreis gegenüber in der Pflicht und müssen ein Haushaltssicherungskonzept vorlegen und solche Dinge konkret benennen.

Auch andere wichtige Dinge dürfen wir nicht vernachlässigen.” Kock zählt die Gesamtschule, das alte Rathaus und die Straßenunterhaltung auf. Für dies Jahr ist die Sache sowieso gegessen. Hambergen bleibt vorerst Dunkel, aber zwei Drittel der Abschaltzeit sind ja mittlerweile um.

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