Erfolg mit Spiddelschüpp und Butterkuchen

Der Torfstecher- und Backtag auf dem historischen Moorhof Augustendorf / Rund 1000 Besucher schauten vorbei
Augustendorf. Viel Sonnenschein und Muttertag – so lautet das Erfolgsrezept für einen rekordverdächtigen Besucherandrang. Zumindest für denTorfstecher- und Backtag auf dem historischen Moorhof Augustendorf traf dieses Rezept zu. Es waren wohl mehr als 1000 Besucher, die am Sonntag die Veranstaltung besuchten, schätzte Frauke Klemme, Vorsitzende des Heimatvereins Gnarrenburg in dessen Hände der Museumshof liegt.

Von rund 1000 Gästen ging auch Hubert von Glahn aus, der im Rauchhaus jede Menge zu erzählen hatte. Jung und Alt erklärte er wie die Moorbauern um 1900 lebten und hausten. “Genau sagen kann man das ja nie; wir wägen das gleich mit dem Kaffeeverbrauch ab und rechnen dann hoch”, begründete von Glahn seine Schätzung. Das Kaffeegeschäft verlief jedenfalls glänzend. Kaffee und Butterkuchen aus dem Steinbackofen wurden oft als Grund für den Besuch des Moorhofs genannt.

Butterkuchen? “Der ging weg wie geschnitten Brot”, freute sich Klemme. 50 Bleche der Köstlichkeit gingen über den Tisch. Zuständig für das Backen am Steinbackofen war die Bäckerei Rohde aus Gnarrenburg. Mit dem Chef Wolfgang Rohde, Backstubenleiter Michael Kramp und dem zweiten Ofenmeister Reiner Ropers war für höchste Qualität gesorgt. Rohde hatte auch für den Gast mit der weitesten Anreise gesorgt, er hatte seinen finnischen Motorradkumpel eingeladen. Genossen wurde der Butterkuchen im wunderschönen Freiluftcafé, entweder in der prallen Sonne oder im Schatten der hohen Eichen.

Schnitzarbeiten aus Torf

Nicht ganz so weit hatte es Karlheinz Hombach, der sich von Wuppertal aus aufgemacht hatte. Allerdings nicht ausschließlich für den Torfstecher- und Backtag, Hombach hat Bekannte in der Region. Diese kannten diese Art der Saisoneröffnung noch nicht, Hombach schon. Er war voriges Jahr schon in Augustendorf.

Wohl fühlte der Wuppertaler sich in der Werkstatt, die im Augustendorfer Moorhof im Schweinestall untergebracht ist. Viele der Bohrer und Hobel habe er auch selbst noch zu Hause. Sein Berufswunsch war einmal Zimmermann gewesen, verriet er, allerdings erlaubte dies die Mutter nicht. “Zu schwer fand sie. Ich wurde dann Bäcker und später Autoschlosser”, berichtete Hombach.

Neben dem Backen stand der Torfstich im Mittelpunkt und dieser lag in den Händen von Familie Flathmann. Rüdiger Flathmann nebst Sohn Julian zeigten den Gästen wie früher Torf gestochen wurde. Rüdiger Flathmann am späteren Nachmittag: “Eigentlich wollten wir schon längst aufhören, aber es kommen immer wieder so viele Interessierte. Heute arbeiten wir wohl durch.” Rüdiger Flathmann erklärte, dass es ausschließlich Streutorf sei, den er hier heute raushole. Brenntorf, immerhin mit einer Heizkraft wie Briketts, gebe es hier erst in einer Tiefe von zwei bis drei Metern. Mit dem Torfmesser schneidete Flathmann den Torf und mit der “Spiddelschüpp” holte er ihn raus. Sein Sohn fuhr ihn zum Trocknen an die Seite. Mit Holzschuhen an den Füßen, blauem Hemd, Strohhut und Winchesterhose waren die Beiden zünftig gekleidet und voll in ihrem Element.

Was man heute mit dem Torf machen kann, wusste Hans-Hermann Kahrs: “Schnitzen. Aber Knochentrocken muss der sein.” Der Gnarrenburger gehörte mit seinen Torfwerken zum kleinen Künstlermarkt am Moorhof. Zu sehen waren bei ihm Pilze im Torf, Herzen, Türschilder und Torfpokale, mit Fußballern und Pferden. Der Torf trockne bei ihm auf den Dachboden. Kahrs: “Manchmal beschwere ich den auch mit Gewichten und presse den gut zusammen, damit er härter wird.” Für eine längere Aufbewahrung pinsele er seine Kunstwerke mit Klarlack ein oder besprühe sie mit Haarspray.

Ebenso außergewöhnlich und niemals gleich waren die in Beton gegossenen Rhabarberblätter von Werner Viebrock. Sie eignen sich als Pflanzschale oder Vogeltränke. Annegrete Klindworth hätte gern zwei gekauft, der Ehemann meinte eins reiche. Klindworth genoss den Aufenthalt. Der Butterkuchen schmeckte ihr ganz gut, als einmalig lecker dagegen bezeichnete sie den Kaffee. Stammgast auf dem Augustendorfer Moorhof sind die Platjenwerber Christiane und Frank Wadephul: “Uns gefällt, dass die Leute sich hier so engagieren. Man sieht, dass es ihnen Freude macht. Die ganze Anlage hier ist so schön.”

“Heute ist Marmeladentag”, behauptete Annette Still, die zusammen mit Ehemann Gerhard einen kleinen Bauernmarkt zum Torfstecher- und Backtag beisteuerte.

Der Moorhof ist eine originale Ansiedlerstelle der früheren Moorkolonisation und war bis 1985 bewohnt und genutzt. Der Heimatverein Gnarrenburg widmet sich seit über 20 Jahren dem Erhalt und der Pflege des Hofes. Von Mai bis September hat der Moorhof sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen gibt es nach Absprache; zu entdecken gibt es jede Menge.

Hubert von Glahn ist aufgefallen: “Seit wenigen Jahren zeigt auch die mittlere Generation wieder Interesse und fragt gezielt nach.”

Vermerk:
Sie möchten gerne ein Abzug von einem Foto? Kein Problem, nutzen sie bitte mein Kontaktformular.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*