Die “Lebenslöcher” mit Sinn füllen

Pfarrer Hans-Werner Mehnert sprach bei Neujahrsempfang der Landfrauen über Wege aus der Unzufriedenheit
Hambergen.
Am Sonnabend lud der Landfrauenverein Hambergen und Umgebung seine Mitglieder zum Neujahrsempfang ins Gasthaus Meyer in Oldenbüttel ein. 100 Damen starteten nach der Begrüßung durch die Vorsitzende Magrit Grotheer mit einem großen Frühstücksbüfett, bevor der Pfarrer im Ruhestand Hans-Werner Mehnert zum Thema “Wir haben alles, aber davon zu wenig” referierte. Mehnert sprach nicht nur die Probleme der “Wohlstandsgeneration” an, sondern zeigte auch Wege zum “Glücklichsein” auf.

Hans-Werner Mehnert war Diplom-Forstwirt bevor er Theologie studierte und dann zwölf Jahre in Peru verbrachte. “Dort gab es zwei Sorten Käse und zwei Sorten Wurst und jeder war glücklich damit.” Als die Mehnerts nach Deutschland zurück kamen und seine Frau ihn zum Käsekaufen schickte, war er fassungslos: “Ich konnte nichts kaufen, so erschlagen war ich von der acht Meter langen Käsetheke.” Mit der Anekdote war Mehnert gleich drin im Thema: “Warum bei steigendem Wohlstand die Zufriedenheit abnimmt.” Der Aufstieg Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg sei beispielslos, sagte Mehnert. Problem sei nur, dass die Stimmungslage nicht mitgewachsen sei. Mehnert: “Trotz starken Wohlstands überwiegt Unzufriedenheit, Langeweile und Angst. Wir jammern auf einem hohen Niveau.” Das solle so bleiben, zitierte er aus unbekannter Quelle: “Wir Deutschen lassen uns unseren Pessimismus von niemanden vermiesen.” Anzunehmen, dass mit Reichtum Glück verbunden ist, sei ein Irrtum: “Die Mehrheit der Depressiven kommt aus den oberen Kreisen.” Irreführende Werbung und Gott Warum wird der Mensch nicht satt, liegt es am Vergleich, fragte Mehnert. Was der andere hat will ich auch haben, nur um dann festzustellen: “Ach so doll ist das doch nicht.” Mehnert erzählte aus dem Leben und berichtete von einem Mann, der 500 Euro Weihnachtsgeld bekommen hat. “Wie lange hält die Freude darüber an”, fragte Mehnert in die Menge und beantwortete die Frage selbst: “Nur solange bis er mitbekommt, dass die Kollegen 800 Euro bekommen haben. Wir freuen uns nicht, können nicht zufrieden sein, weil wir uns ständig vergleichen.” Das Kaufverhalten zeige Zeichen der Sucht, die Werbung gaukele dem Menschen etwas vor. Mehnert führte Rasierwasser als Beweis an. In der Werbung werde suggeriert, dass einem nun alle Frauen hinterherliefen. Die Wahrheit sehe anders aus. Mehnert: “Papa, was riechst du so komisch, bekam ich zu hören.” Ähnliches beobachtete Mehnert bei der Autowerbung. Autos im Stau oder eine Müllhalde im Hintergrund, das gebe es in der Werbung nicht zu sehen, kritisierte er.

Ist es die Ziellosigkeit, die die Zufriedenheit behindert, fragte Mehnert weiter. In der Aufbauphase seien die Menschen glücklich gewesen, nach Erreichen der Deutschen Einheit, dem letzten Ziel, gehe es mit der Zufriedenheit nur noch bergab. Für Mehnert lässt sich das Lebensloch nur durch Sinn füllen, er führte als seine Lösung die Beziehung zu Gott an: “Der Glaube ersetzt keine Ziele wie Beruf, Ehe oder Besitz, aber er ist durch nichts zu ersetzen. Der Glaube bleibt sogar, wenn die Gesundheit Sie im Stich lässt.” Den Landfrauen empfahl Hans-Werner Mehnert, auf das kleine Glück im Alltag zu achten und sei es nur eine Eisblume am Scheunenfenster. Praktische Tipps gab es vom Vortragenden auch mit auf den Weg. Mehnert: “Pflegen Sie bewusst ihre Beziehungen und bewegen Sie sich körperlich. Dem Menschen ginge es besser, “wenn er mehr ginge.” Kontakt zur Natur und zu Tieren, sowie etwas mit den eigenen Händen zu schaffen, befriedigten die Seele ebenso wie Lachen und Humor, betonte der Referent – und erzählte den Landfrauen auch dazu gleich eine lustige Geschichte.

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